Das Blut an ihren Händen wird langsam kalt. Es gerinnt aber nicht. Ein weiterer schmerzlicher Hinweis auf den Tot von Senviva. Einen Mann den sie nicht einmal besonders gut kannte, aber sofort mochte, wahrscheinlich sogar liebte. Was sie an ihm liebte, konnte sie jetzt gar nicht nennen. Er war nie besonders sympatisch und in seinen letzten Stunden fast schon furchteinflössend. Es war wohl sein Anderssein, ihrer beider Band. Denn ebenso wie er gehörte sie nicht hierher. Sie ist ein Fremdkörper. Mit den anderen Gopax Bewohnern konnte sie sich nie unterhalten oder gar tiefer anfreunden. Sollte sie auch nicht. Ihr Verbleib in der Gopax hatte ein höheres Ziel. Sie war bereits 2 Jahre hier. Nach Planung hätte 46 noch folgen sollen. Das ist jetzt vorbei. Ebenso wie dieser kurze Moment Glückseligkeit. Endlich einen Seelenverwandten gefunden zu haben, verstanden zu werden, geliebt zu werden.
Die Tränen lassen ihren Blick auf die Wolken verschwimmen. Ein Knacken von rechts holt sie sofort wieder ins hier und jetzt. Sie dreht den Kopf und sieht einen Hasen hektisch durchs Unterholz verschwinden. Falscher Alarm aber vielleicht auch der Weckruf den sie gebraucht hat. Länger hier zu bleiben wäre fahrlässig und sicher auch nicht Senvivas Plan gewesen. Wenn die Bewohner dieser Gopax sie verfolgen wollten, dann würden sie auch die Fährte bis hier her finden. Der Plan war im Fluss die Fährte verschwinden zu lassen und das wird sie tun. Sorgfältig tastet sie die Hosentaschen von Senviva nach Gegenständen ab. Sicherlich sind da einige nützliche Dinge dabei. Sie findet 2 Fackeln und einen Daumen großen Metallzylinder und packt diese zusammen mit dem Vigor in seine Tasche. In der Tasche sind noch einige kleinere Geräte die sie aber nicht zuordnen kann. Eventuell findet sie später raus wie sie funktionieren. Als letztes nimmt sie ihm noch seinen Gürtel und das Schwert ab. Den Dolch und die Photonenwaffe packt sie ebenfalls in die Tasche. Wie hatte er die Waffe nochmal genannt? Strahlenwaffe. So putzig. Ein weitere Erinnerung an ihn, ein weitere tiefer Schnitt in ihrem Herzen. Sie verschließt die Tasche und schaut sich am Ufer des Baches um. Senviva hatte ihr von dem Plan erzählt mit Hilfe des losen Baumstumpfes am Ufer den Bach ein paar hundert Meter runter zu treiben, an einer günstigen Stelle zum Beispiel mit vielen großen Steinen wieder an Land zu gehen und so keine auffindbaren Spuren zu hinterlassen.
Es dauert eine Weile bis sie den Stumpf ins Wasser gehieft bekommen hat. Vorsichtig platziert sie die Tasche auf dem Holz und geht ins Wasser. Den Stumpf schiebt sie dabei vor sich her. Als sie bis zu Brustkorb im eiskalten Wasser des Baches steht legt sie sich mit Armen und Schultern bauchwärts über den Stamm und stößt sich ab. In der Mitte des Baches ist eine ganz ordentliche Strömung, sodass der Stamm ganz langsam an Fahrt aufnimmt. Ein letztes Mal schaut sie sich um zum Ufer an dem sein lebloser Körper liegt. Noch ist sie keine 20 Meter weg und kann sogar noch den Blumenstrauß erkennen, den sie als Akt der Trauer zusammengesammelt und auf ihm platziert hatte. Während sie weiter den Bach hinunter driftet verschwimmen die Farben der Blumen und die seine Konturen mit dem Ufer. Als sie ihn kaum noch erkennen kann macht der Bach eine leichte Biegung und die Uferböschung schiebt sich langsam in ihr Blickfeld. Und auf einmal ist er weg. Eine weitere Träne rollt über die fast schon wieder getrocknete Wange.
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