Dieser Artikel wurde am Sonntag zwischen 23:00 und 0:00 geschrieben.

Ich sitze gerade eim Zug und langweilie mich. Das Gefühl ist mir nicht neu. Ich kenne das. Es passiert mir andauernd. Sei es bei einem Besuch bei Verwandten, im Warteraum des Amts, auf dem Weg zur Arbeit, selbst beim Warten auf den Döner. Und ich leide. Objektiv betrachtet auf jeden Fall mehr als nötig, doch ich leide gern. Die Zeit scheint still zu stehen, alles bewegt sich in Zeitlupe und ich bin der einzige der nichts zu tun hat. Täglich wird man überflutet mit Möglichkeiten seine Zeit effektiver zu nutzen, keine Zeit zu verschwenden und dann sitzt man im Zug und weiß die nächsten 45 Minuten kann man nichts "machen". Kein Smartphone, nichts zu lesen, kein neuen Film auf dem Laptop, nichts.

Ich habe gerade ein Ipod mit 8Gb Musik bei mir und frage mich krankhaft was ich mit meinen Augen und meinen Händen machen soll.

Einmal im Jahr bezahle ich viel Geld dafür irgendwo wo es warm ist eben das zu tun was ich jetzt gerade kann. Nichts tun. Kein Smartphone oder Laptop in Reichweite. Einfach die Ruhe genießen. Warum kann ich also diese befohlene Auszeit nicht nutzen. Zumindest objektiv gesehen ist das total lächerlich. Ich persönlich bin total konditioniert von der Reizüberflutung des modernen Alltags. Wenn ich morgens ins Büro komme und keine neue Mail im Postfach habe, frage ich mich zuerst ob das Email Programm mal wieder streikt. Das selbe beim Telefon. Wenn die Facebook oder Twitter Timeline sich nicht oder nicht schnell genug füllt wird man misstrauisch.

Das schlimme ist, dass ich mich noch an die Zeit davor erinnern kann. Während das Studiums hatte ich mal einen einsamen Rekord auf meinem Motorola F3 Phone verzeichnet. Zwei Monate hatte mich auf diesem Telefon keiner angerufen. Und es war nicht schlimm. Ich habe mir keine Sorgen gemacht ob das Telefon defekt ist oder keiner meine Nummer hat. Nein. Es war kein Problem. Heute ist es das. Aber warum? Was hat sich geändert? Die Erde dreht sich nicht schneller. Konversationen über Handy, Email oder Social Networks sind zu 99% belanglos und vor allem nie dringend. Warum also unablässig Updates oder emails checken?

Weil man süchtig ist. Süchtig nach eben dieser Reizüberflutung. Süchtig nach mehr Informationen als man aufnehmen kann. Süchtig danach, dass da draußen so viel los ist, dass man garnicht alles fassen kann. Am besten auf allen Kanälen. Mir fällt es schon schwer NUR Musik zu hören oder NUR spazieren zu gehen. Es muss immer die volle Dröhnung sein.

Aber so wie man sich das antrainieren kann muss man es sich doch auch wieder abtrainieren können. Man muss es sich eben auch abtrainieren wollen. Dafür braucht man aber ein System.

Ich habe mir darüber Gedanken gemacht und eventuell ein solches System gefunden. Ich werde einmal 48h bei jedem Facebook Event einen Strich auf einer Strichliste machen ob mich das Ergebnis des Events hinreichend erfüllt hat oder nicht.

Beispiel gefällig? Einen positiven Strich für ein Kommentar, dass tatsächlich eine neue Dimension in das eigentliche Statement einbringt oder ein wirklich guter Witz ist. Einen negativen Strich für ein Like auf ein Kommentar dass einem total egal ist.

Eventuell kann man das selbe auch für Twitter abdaptieren indem man diese Strichliste führt immer wenn man auf den Button drückt.

Meine Prognose vorab: Die Negativliste wird vernichtend hoch gewinnen.

Ich habe mich übrigens nicht beherrschen können. Dieser Artikel war die Beschäftigung für Augen und Hände.