"Mach dir um deinen Fuß keine Sorgen. Das kriegen wir wieder hin." Ein wenig überrumpelt bedanke ich mich schnell und während er den Fuß mit einer Pflanzentinktur bearbeitete begann eine interessante Unterhaltung die bis spät in die Nacht dauern sollte. Bevor ich über das Raumschiff sprechen konnte, hatte er bereits geschlussfolgert dass mein Erscheinen mit dem Kometeneinschlag zu tun haben musste. Ich erzählte ihm also meine Geschichte und er mir seine. Und seine ist mit weitem Abstand die interessantere. Er ist nämlich kein Priester, sondern ein Hüter. Die Hüter sind eine uralte Vereinigung die das Wissen der Welt bewahrt. Über Generation sammeln und schützen sie das Wissen. Auf der ganzen Welt gibt es Hüter, die ihr Wissen miteinander teilen. Interessanterweise komplett unabhängig von der Gesellschaft in der sie leben. So soll es noch unzählige andere Zivilisationen geben die dieser weit überlegen sind. Über Jahrhunderte wollen sie testen, welches Wissen die jeweilige Zivilisation wie weit voranbringt, welches Wissen und welche Geschwindigkeit in der es das Wissen aufgebaut wird schädlich für die jeweilige Zivilisation ist. Ein erdweites Jahrhunderte langes Experiment an dem jeder Erdbewohner ohne sein Wissen teilnimmt.
Ich kann es Jorling, so heißt der alte Hüter immer noch nicht glauben und so führt er mich zu seiner Hütte. In der Hütte befindet sich Kommunikationsgerät was definitiv nicht aus dieser Zivilisation stammt. Er zeigt mir Videoaufzeichnungen die mit Technik die unserer sehr ähnlich ist arbeitet. Erst als ich das Manifest der Hüter in den Händen halte und die ersten 20 Seiten gelesen habe, glaube ich ihm. Der Ursprung der Hüter war eine radikale Bewegung aus meiner Erdepoche. Sie hießen die Archivisten. So wie ich mich daran erinnere warnten sie stets vor dem Systemzusammenbruch und das wir das Wissen der Welt nicht darauf vorbereiteten. Scheinbar hatten sie damit auch recht. Von dieser Erkenntnis übermannt hätte ich fast verpasst wie er mir das schöne Mädchen von vorhin vorstellte. Sie heißt Keira und ist seine Nachfolgerin. Auf einmal leuchtet mir alles ein. Ihre perfekte Sprache, die Aushilfssprache der Dorfbewohner, der Titel "Wissensmann", alles. Ich frage ihn über die anderen Zivilisationen aus und erfahre dass es etwa 2500 verschiedene dieser Zivilisationsexperimente auf 5 Kontinenten gibt. Jede einzelne Zivilisation wird in verschiedene Gruppen aufgeteilt. Diese Gruppen heißen Gopaxs und jedes Gopax hat seinen eigenen Hüter. Auf dem 6. bewohnbaren Kontinent, dem früheren Australien wohnen die Hüter selbst. Alle Hüter kommen von dort. Das erklärt auch warum die beiden sich äußerlich nicht ganz in die Gruppe einfügen lassen. Von seinen folgenden Erzählungen ist davon auszugehen, dass dort noch eine ähnliche Hochkultur wie zu meiner Zeit herrscht. Eine Vorstellung die für mich in diesem Augenblick absolute absurd erscheint. Gleichzeitig aber unendliche Neugierde schürt. Als er beschließt dass es genug ist für den Abend schaue ich auf die Uhr. 22:50. Mit Blick auf die Uhr meldet sich der Körper mit den ersten Müdigkeitssymptomen. Jorling bringt mich zu meiner Unterkunft und verspricht mir morgen noch mehr zu Erzählen.
Ich werde wach von ohrenbetäubenden Schmerzensschreien. Das erste was ich fühle ist die sengende Hitze. Ich schaue mich um und um mich herum brennt alles. Durch den Eingang kann ich draußen Gestalten kämpfen sehen. Ich humple richtung Eingang und erkenne dass die Siedlung wohl von einer anderen angegriffen wird. Die Kämpfer beider Siedlungen kann man gut unterscheiden. Die einen tragen glänzende Rüstungen und die anderen grüne Tarnfarbe. Ich benötige nur einige Augenblicke um zu realisieren dass die Siedlung gerade dem Angriff der Gepanzerten nicht standhalten wird und spätestens in einer Stunde hier nur noch die Auswärtsmannschaft mit Vitalfunktionen prahlen kann. Plötzlich griff Keira meine Hand und schrie: "Wir müssen hier weg. Dieses Gopax geht heute unter."
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