Wir standen im Kaufhaus. Freitag Nachmittag. 17 Uhr. Rush Hour für jeden der etwas vom Einkaufen versteht. Wir, das sind meine Wenigkeit und Steffen. Steffen meinte, dass wir auf keinen Fall spät einkaufen gehen können, denn wir müssen auf jeden Fall noch Limetten abbekommen und die sind Freitags auf Grund der ganzen New-Age-Cuba-Libre-Komasäufer-Kids immer so schnell vergriffen. Ich persönlich gehe immer 30 Minuten vor Schluss. Da ist es immer so schön idyllisch. Und meistens gibt es selbst dann noch Limetten. Der Wahnsinn des Kapitalismus eben. Während Steffen mindestens doppelt soviele Limetten wie wir verbrauchen werden in den Wagen packt und hektisch weiter zieht, bleibt mein Blick an der Anzeige neben dem Limettenstand kleben. Cubafix. Fertig zusammengemixter Cuba Libre, flaschenweise und garnicht mal so teuer. Muss wohl der neueste Scheiss sein. Das geht sicher ab wenn die Limetten irgendwann mal alle sind. Über meinen eigenen Witz grinsend drehe ich mich in die Richtung in die Steffen verschwunden ist. Im Comic würde eine weiße Staubwolke mir jetzt den weg weisen. In der Realität gibt es das aber leider nicht. Und wenn, dann ganz sicher nicht freitags um 5 im Kaufland. Denn hier herscht das Chaos. Schreiende Kinder die ihre Eltern aus den Augen verloren haben. Schreiende Kinder die ihre Lieblingssüßigkeit nicht in den Wagen packen durften. Schreiende Kinder die sich den Kopf an Einkaufswagen angeschlagen haben. Und nebenher zahlreiche Gespräche deren Inhalt man aufgrund mangelnder Fremdsprachenkenntnisse nicht versteht oder schnell wieder vergessen möchte. Die Bildkomposition dominieren die Einkaufswagen, die in maximaler Unordnung durch der Laden steifen. Ein Mekka für Stauforscher. Für alle anderen ist es nur ein findet Waldo Film. Ich kann meinen Waldo auf jeden Fall nicht mehr finden. Aber im Gegensatz zu den Bilderrätseln in den Heftchen habe ich einen Vorteil. Ich weiß wo Waldo hin will. Zu den Chips. Also schlengele ich mich langsam durch die Massen in Richtung Chipsabteilung. Und tatsächlich wie erwartet steht dort Steffen, zwei Chipsletten Dosen in der Hand und wirkt reichlich unentschlossen. Es sieht tatsächlich so aus, als liest er das Kleingedruckte auf der Packung. Ohne auf die Packung zu schauen reiße ich ihm die rechte aus der Hand und lege sie in den Wagen. Mit einem "Was brauchen wir noch?" unterbinde ich jegliche seiner Argumentationsversuche. "Cola und Eiswürfel."
- Fortsetzung folgt -
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