Auf dem Weg zur Bahn lasse ich mir nochmal die Abendplanung erklären. Als er vor 2 Tagen gefragt hatte, war ich mir nicht sicher ob es ein Scherz sein sollte. Ich hatte schon von einigen beknackten Trends gehört, aber dieser hier setzt neue Maßstäbe. Als vor ein paar Jahren von irgendwelchen Trendsettern der Tatort wieder als erträgliche Sonntagabendunterhaltung deklariert wurde, dachte ich der Tiefpunkt ist erreicht. Aber dank Steffen kenne ich jetzt ein legitimen Nachfolger: Ironisch Boulevard Magazine schauen. Während wir mittlerweile in der S-Bahn sitzen und ich immernoch versuche herauszufinden in welchem Zustand geistiger Umnachtung ich zugesagt habe an das andere Ende der Stadt zu fahren um RTL Explosiv zu schauen, unterbricht Steffen meinen Gedankengang. "Die Limetten. Verdammt. Die müssen noch am Bahnsteig liegen." Er hatte die Limetten in einer extra Tüte deponiert, damit sie nicht zerquetscht werden. Grotesk wenn man bedenkt wofür sie bestimmt waren. Am Bahnsteig hatten wir die Taschen kurz abgestellt, während er versucht hatte mich zu überzeugen, dass der Tatort doch keine komplett miserable Serie ist. "Wegen dem Tatort haben wir jetzt keine Limetten! Auch nicht schlecht." "Dann trinken wir eben nur Rum-Cola." "Eine gute Idee und auf den Schock fange ich jetzt damit an." Ich öffne die Tasche und ziehe die Cola heraus. "NEEEEEEEEEIIIN!" Meinen Schrei hat wohl jeder in diesem Waggon gehört. Jeder zweite zumindest blickt jetzt in meine Richtung. In der Hand halte ich die Colaflasche, auf dem Ettiket steht: Coca Cola Super Extra Zero - Classic Christmas Edition. "Keine Cola, keine Limetten und kein richtiges Eis." Während Steffen ansetzt irgendetwas relativierendes dazu zu sagen, stehe ich auf, greife meinen Rucksack und gehe zur Tür. "Ich weiß nicht was du machst, aber ich steige jetzt hier aus." Offensichtlich komplett überrascht und gehörig verwirrt, sprintet er mir hinterher als das Türschließsignal ertönt. "Was soll denn das? Jetzt schaffen wir es auf keinen Fall mehr pünktlich." "Dann müssen sie die erste Flasche Robbie Bubble eben ohne uns öffnen. Ich muss noch schnell was holen." Die Haltestelle ist eine von diesen höher gelegenen zweigleisigen S-Bahnstationen. Mein Blick streift über die anliegende Straße. Wenige Sekunden und ich finde in 300 Meter Entfernung auf der rechten Seite wonach ich suche. Fünf Minuten später nehme ich 2 Flaschen aus dem Kühlschrank des Spätis. Der Kassierer fragt mich "Die zwei Cubafix?" "Oh ja."

- Fortsetzung folgt -


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