Vor ein paar Tagen bin ich über einen interessanten Artikel gestolpert. Hauptthema des Artikels war lediglich dass es keinen messbaren Zusammenhang zwischen der Qualität eines Bewerbungsgespräches und der tatsächlichen Arbeitsleistung des Bewerbers später im Unternehmen zu geben scheint. So weit so interessant. Der eigentlich interessante Teil für mich war aber diese Beispielfrage die scheinbar Softwareentwicklern gestellt wird.
Forget brain-teasers. Focus on behavioral questions in interviews, rather than hypotheticals.
Bock said its better to use questions like, Give me an example of a time when you solved an analytically difficult problem. He added: The interesting thing about the behavioral interview is that when you ask somebody to speak to their own experience, and you drill into that, you get two kinds of information. One is you get to see how they actually interacted in a real-world situation, and the valuable meta information you get about the candidate is a sense of what they consider to be difficult.
Kaum gelesen kam ich nicht drum herum mir selber ernsthaft diese Frage zu stellen. Ich habe lange überlegt und bin der Meinung noch nie ein schwieriges analytisches Problem während meiner Berufslaufbahn lösen zu dürfen. Ich habe ganz sicher schon einige interessante und auch schwierige Aufgaben gemeistert bekommen, diese waren aber stets wegen anderer Faktoren derart schwierig und zeitaufwendig.
Auf Platz 1 der Liste weit abgeschlagen rangiert fehlende oder schlechte Dokumentation. Nichts ist nerviger und zermürbender als die richtigen Fragen zu kennen und nirgendwo her die Antworten darauf bekommen zu können.
Platz 2 bekommt mangelnde Erfahrung. Ein neuer Fachbereich, eine neue Programmiersprache ein neues Framework, you name it. Beim Einarbeiten kommen einem Aufgaben immer groß und schwierig vor. Im Nachhinein kann man glücklich sein, wenn man mit Humor auf diese dilettantische Anfangsphase zurückblicken kann.
Eine Liste mit nur 2 Punkten ist doch auch mal was feines. Ehrlich gesagt habe ich gerade auf mich bezogen keinen weiteren Grund gefunden der sich deutliche herauskristallisiert hat. Fakt bleibt aber, dass diese 2 Gründe ausreichen zu erklären, warum Probleme die ich lösen durfte für mich schwierig erschienen. Analytisch schwierig war daher keines von ihnen. Was mich an dieser Stelle interessiert, ist wie wohl der Interviewer mit dieser Antwort umgegangen wäre.
In der Retrospektive(jetzt packe ich die coolen Wörter aus) ist es für mich auch fast egal, ob die Aufgabe analytisch schwierig ist. Wichtig ist dass sie hinreichend schwierig ist und so einen Lerneffekt inne hat. Aufgaben ohne Lerneffekt sowie Probleme oberhalb meiner Lösbarkeitsskala sind jede auf ihre Weise total frustrierend.
Wenn es schon keinen Sinn macht, soll's wenigstens fordern.
Was? Keinen Sinn? Das kann man so nicht sagen. Einfach mal für sich selbst die Frage "Inwieweit beeinflusst meine derzeitiger Job den Fortbestand der menschlichen Zivilisation?" beantworten. Ja genau. Ihr Bäcker, Krankenschwestern, Feuerwehrmänner und Postboten da draußen habt die Nase vorn.
Also wenigstens fordert es. Das lässt mich nicht ruhig aber auf jeden Fall ruhiger schlafen. 😁
Ich weiß ja nicht wie die Makler, Unternehmensberater und Börsenzocker nachts überhaupt schlafen können.