Als ich die Augen öffnete
sah ich erst alles sehr verschwommen. Die Umrisse von Menschen standen um mich herum, es waren die Eingeborenen. Doch diese sprachen etwas ganz anderes, was ich noch nie zuvor gehört habe.
Um die Menschen näher aneinander zu bringen hatte man, in der alten Welt, eine der unzähligen Plansprachen als Amtssprache eingeführt wodurch die Sprachbarrieren kippten und die Menschen sich nach einigen Generationen besser verstanden und so die Kulturen effektiver ein wenig verschmolzen. So hat man es uns in der Schule gelehrt. Die Plansprache nennt man Neo und war die ersten paar Jahrhunderte nach ihrer Entwicklung beinahe in Vergessenheit geraten. Doch irgendwann zwischen der dritten und der vierten Gesellschaft Restauration haben die Menschen verstanden, dass es nichts bringt andauernd gegeneinander zu kämpfen. So ist die Idee einer gemeinsamen Sprache entstanden. Da niemand seine eigene Sprache aufgeben wollte, wurde eine passende Plansprache ausgesucht und diese als Amtssprache eingeführt. So war es nach wenigen Generationen möglich mit beinahe allen Menschen in Neo zu sprechen ohne die eigene Sprache aufgeben zu müssen.
Doch dieses Rudel Ureinwohner um mich herum sprach nichts was ich kannte. Neben meinen Neo Kenntnissen konnte ich noch 17 andere Sprachen, da ein altes Sprichwort besagt "So viele Sprachen du sprichst, so oft bist du Mensch" und daher wurde in der alten Welt viel Wert darauf gelegt, Kindern mindesten 10 Sprachen beizubringen. Mit diesem Wissen versuchte ich zu verstehen was die Fremden um mich herum grölten während meine Sicht sich langsam verbesserte. Nach ein paar Minuten konnte ich die Umrisse besser erkennen und wurde der Tatsache gewahr, dass diese Personen viel größer und breiter waren als es normale Menschen sein sollten. So versuchte ich die Ruhe zu bewahren, durch mein schmerzendes Bein wurde mir bewusst, dass eine Flucht aus dieser Situation für mich keine Option war. Ebenso war mir noch nicht klar ob diese Hünen freundlich oder feindlich waren. Doch durch die Wolfsattacke und den gewagten Sprung wollte ich mein Glück nicht weiter strapazieren. So lag ich da, versucht mich so wenig zu bewegen wie nur nötig und beobachtete die umstehenden Gestalten.
Die beiden Anführer fielen mir schnell auf, der eine gestikulierte wild umher und schrie den rangniederen an. Der Rangniedere hatte viel Blut an seinem Körper und der Klinge seines Schwertes, im Stile eines Xiphos, kleben. Doch aufgrund der abendlichen Dämmerung war es mir nicht möglich zu erkennen ob das Blut frisch war oder bereits etwas älter.
Zur Vorbereitung auf unseren Flug wurden wir für alle möglichen Situationen trainiert. Wir wurden darauf geschult was zu tun ist, wenn wir außerirdische bei unserer Rückkehr treffen, falls wir in einem Vulkan oder mitten im Ozean landen und noch viele unwahrscheinliche Szenarien mehr. Das Entwicklungsteam hatte sich viel Mühe gegeben und an alles gedacht. Das einzige woran niemand dachte, ist das wir auf der Erde landen, von Wilden umgeben sind und die Zivilisation offensichtlich erloschen ist.
Während ich hier in der Siedlung in dem Frischluftkanal sitze und immer noch auf den "Wissensmann" warte, überlege ich mir was passiert wäre wenn der viel Erfahrenere Wichard mich entdeckt hätte. Der arme Junge des Aufklärungstrupps der mich entdeckte war anscheinend nicht so Kaltblütig wie Wichard und konnte hatte auch nicht einen so klaren Kopf wie dieser.
Kurz nachdem meine Sicht und mein Verstand wieder völlig da waren fiel mir auf, dass der Trupp der um mich herum stand eine ungesunde Hautfarbe hat. Die leicht grünliche Hautfarbe ist mir erst nach den unnatürlich großen Pranken aufgefallen. Während ich also da am Flussbett liege und mir langsam bewusst wird, dass diese Horde nicht da ist um mich zu retten höre ich aus der Ferne ein Knacken.
Ich drehe mich um und sehe dort den jungen Aufklärer Douglas. Er hatte auf der Erde bei einem Unfall seine Familie verloren und ist daher mit uns in dem Raumschiff gereist, trotz seines jungen Alters. Er hatte in der alten Welt, wie wir alle, niemanden mehr der ihn vermissen würde. Da spielt sich in meinem Kopf wieder die Szene ab, wie Douglas aus einem Gebüsch heraus springt und wie ein Wilder herum schreit. Daraufhin drehten sich die grünlichen Gestalten von mir weg und widmen ihre volle Aufmerksamkeit dem unbedarften Aufklärer. Einer der Monster zückt ein Messer und wirft es direkt in Douglas' Brust, worauf dieser Blutend zu Boden fällt.
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