bioshock infinite: characters

Da sind religiöse Spinner oben in den Wolken.

Ähnlich wie die ersten beiden Teile erzählt Bioshock Infinite die Geschichte von einer neuen Welt, einem von Menschenhand erbauten Utopia. Diesmal eben nicht unter Wasser sondern in den Wolken. Man selbst spielt einen Kopfgeldjäger oder einen Exsoldaten. Genau weiß man das am Anfang nicht, man wird die eigene Geschichte aber kennen lernen. Der Auftrag ist einfach. Ein Mädchen zurückholen, was scheinbar entführt wurde. Warum? Um Wettschulden zu begleichen. Der eigene Charakter Booker Dewitt kennt Columbia, so heißt die Stadt in den Wolken, genauso wenig wie man selbst und so kann man mit ihm die Stadt und ihre Bewohner kennen lernen.

An dieser Stelle kommt meiner Meinung nach auch der erste Fortschritt gegenüber den Vorgängerteilen in Rapture zum tragen. Denn während man in Rapture erst einsteigt wenn die Gesellschaft dort schon untergegangen ist kann man Columbia in voller Blüte erleben. Man erreicht die Wolkenstadt nämlich an einem Feiertag für ihren Gründer und Propheten Zachary Hale Comstock. Auf dem Weg zum Festgelände durchquert man eine Kapelle die einem das volle Ausmaß der religösen Basis auf dem Columbia gebaut wurde offenbart. Hier zeigt sich auch sofort die stärkste Waffe der Bioshock Reihe: die Inszenierung. Bild und Ton. Lichteffekte, Musik und die Rede des Pfarrers sind ein Kunstwerk für sich und lassen einen instantan eintauchen.

Auf dem Weg zum Festgelände kann man dann allerhand unterschiedliche Gespräche der Bewohner Columbias aufschnappen die auch schon Hinweise auf die Konflikte des "neuen Eden" geben. An den Ständen des Jahrmarkts kann man dann auch gleich 2 der neuen Kräfte testen bevor man zur Verlosung kommt. Bei der Verlosung kippt dann die Stimmung ziemlich schnell von "ich bin nur ein Zivilist wie jeder andere hier" zu "Feuer mit Feuer, ich bring euch ALLE um". Auch wenn logisch begründet ein viel zu schneller Sprung meiner Meinung nach. Im Prinzip bleiben die Ziele die selben: das Mädchen holen. Der Umsetzungsstil ist nur urplötzlich von Miss Marple auf Marcus Fenix umgeschwenkt.

bioshock infinite: view

Hütet euch vor dem falschen Hirten. Er wird versuchen unser Lamm zu rauben.

Scheinbar ist bekannt das jemand kommen wird das Mädchen zu holen und nun ist man Staatsfeind Nummer eins. Gelegentlich trifft man tatsächlich auch Zivilisten die sich auch wie solche benehmen, aber regelmäßig fragt man sich doch wo all die Unterkünfte für all diese Polizisten sein sollen die einem vor die Schiesseisen laufen. Nach und nach erlangt man weitere Kräfte die sich nach ein wenig Einübung flüssig in das Gemetzel integrieren lassen. Das Nutzen der Kräfte kann man auch nur zwingend empfehlen, denn die Gegnerzahlen sind so groß, dass wenn man sich nicht mit den Kräften ein wenig Abwechslung in den bleihaltigen Alltag holt, doch zügig Langeweile und Frustration aufkommen kann. Andererseits stellt sich, wenn man die Kräfte richtig einsetzt und die Gegner so dominiert auch häufiger ein Erfolgsfeeling ein wie man es von langen Freeflow Combos aus der Batman Arkham Serie kennt. Das Kampfsystem ist auf jeden Fall ein zweischneidiges Schwert, welches extremes Potential nach oben und unten hat.

Sobald man Elizabeth gefunden hat erweitert sich das Gameplay noch einmal. Das Mädchen kann Schlösser knacken mit Dietrichen die man finden/sammeln kann. Im Kampf kann sie durch Dimensionsrisse zusätzliche Objekte wie Medikits, zusätzliche Waffen oder stationäre Geschütze herbeizaubern. Das eröffnet häufig ganz neue Möglichkeiten. Das eigentliche Killerfeature an Elizabeth ist allerdings dass Sie der im Kampf regelmäßig Hilfe in Form einer vollgeladenen Waffe oder Medikits zuschmeißt. Um das auszulösen muss man wenn sie einem ansagt etwas zu haben lediglich die "Nachladen" Taste drücken und bekommt das Item zugeworfen. Dieses Feature fügt sich hervorragend in das Geschehen ein und macht das ganze noch flüssiger. Ein weiteres Goodie an diesem Buddy System ist, dass Sie besondere Gegner wenn sie sie gesehen hat markiert. Sehr hilfreich um den Überblick zu bewahren. Diese Features führen zu ganz neuen ungewohnten und gelegentlich ungewollt komischen Situationen.

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Die Gegnertypen sind zahlreich und vorallem wenn die großen in Kombination auftreten ziemlich anspruchsvoll. Spätestens dann kommt man um einen überlegten Einsatz der Kräfte nicht mehr herum. Es gibt:


  • Nahkämpfer

  • Schützen

  • Scharfschützen

  • Krähenpriester

  • Firemans

  • Handymans (Hulk-Cyborgs)

  • Patriots (Minigun-Roboter)

  • Songbird

Um die Kräfte zu benutzen braucht man Salze aka Mana. Das kann man finden oder kaufen wie Medipacks und bekommt auch das regelmäßig von Elizabeth zugeworfen. Die Kräfte haben häufig einen alternativen Modus der eine Falle auf dem Boden platziert. Es gibt:


  • Feuerbälle

  • Blitze

  • Krähen (halten den Gegner auf)

  • Gegner unkontrolliert schweben lassen

  • Gegner zu sich überlaufen lassen

  • superstarker Nahkampfangriff

  • Gegner zu sich hinziehen

  • Magneto like Kugeln auffangen und zurückschmeißen


Im Laufe des Spiels kann man jeder dieser Kräfte auch noch 2 Upgrades kaufen. Spätestens dann erweisen sich anfangs für nutzlos gehaltene Kräfte als Meisterfeatures. Mein Tipp sind da die Krähen.

Neben den Kräften findet man natürlich auch noch jede Menge Waffen. Im Gegensatz zu den beiden Vorgängern kann man die nicht immer alle gleichzeitig mit sich rumtragen sondern immer nur 2. Da man die einzelnen Waffen auch upgraden kann ist es garnicht so unsinnig sich zumindest auf eine Waffe festzulegen, sodass man dauerhaft deren Upgrades auch im Kampf nutzen kann. Das Upgrade geht zwar nicht verloren, wenn man die entsprechende Waffe gerade nicht dabei hat, aber es ist doch höchst unsinnig die Maschinenpistole und die Schrotflinte verbessert zu haben und dann die ganze Zeit mit Raketenwerfer und Colt durch die Lande bzw. Lüfte zu ziehen. Und wenns wirklich eng mit den Patronen wird kann man sich am Automaten stets neue ziehen. Die Munitionspacken sind dann auch garnicht mal so teuer.

bioshock infinite: bockender bronco

Und nun?

Für das Resume fange ich einfach mal mit den Negativ Punkten an. Dann sind wir schneller durch. In der Vorberichtserstattung haben die Skylines und die Boys of Silence eine wesentlich größere Rolle zugesprochen bekommen als sie am Ende erhalten haben. Das ist echt schade, da beides sehr coole Ideen sind. Neben diesem muss man auch über den Bodycount reden. Weniger Gegner hätten dem Spiel vielleicht sogar besser getan. Die alte Floskel "weniger ist mehr" scheint auch in der Spieleindustrie immer mehr in Vergessenheit zu geraten. Das neue Tomb Raider ist ein weiteres Promintentes Beispiel.

Schluss mit der Nörgelei. Der Rest war gut, sehr gut bisweilen sogar grossartig. Präsentation, Musik, Dialoge, Memo-Aufzeichnungen und Story sind perfekt aufeinander abgestimmt und liefern eben diese Spielatmosphäre die einen komplett die Zeit vergessen lässt. Der Detailgrad mit dem dabei vorgegangen wurde ist einfach nur beeindruckend. Mit Themen wie 2-Klassengesellschaft, Kapitalismus- und Religionskritik sowie Zeitreise-Parallelwelten-Paradoxon kann Bioshock Infinite auch mit guten Filmen konkurieren. Und als wenn das alles nicht reicht gibt es auch Luftschiffe. Wem das nicht langt, dem ist eh nicht mehr zu helfen.

An dieser Stelle brennen mir noch so viele positive Details auf der Zunge, die ich mir aber leider zwecks Spoiler verkneifen muss. Beim Schreiben des Artikels habe ich einige größere Pausen gemacht. Ich hoffe das wirkt sich beim Lesen nicht allzu negativ auf die Gesamtstruktur aus.