Tomb Raider (2013) Cover

Es ist wieder so weit. Eine Videospielserie ist so alt, dass die Produzenten einfach darauf scheißen, dass es ein Spiel mit exakt diesem Namen bereits schon einmal gegeben hat und den Relaunch der Serie einfach wieder den Titel des ersten Spiels geben. Kleine Anekdote dazu. Das neue Thief Spiel soll übrigens nur Thief heißen, was extrem absurd ist, da das bereits beim letzten, dem dritten Teil gemacht wurde. Quasi ein RE-RELAUNCH. Zurück zur Schatzjägerin.

Historie
Ich hab einst Teil 1 und 2 noch auf dem PC gezockt. Markenzeichen waren hochgradig frustrierende Klettereinlagen, unlösbare Rätsel mit Hebeln und verschiebbaren Steinen sowie ein ziemlich sportliches Waffenarsenal und der Hang absolut alles Leben in der Umgebung zu vernichten um konzentriert weiter rum-archäologieren zu können. Denn wie wir das alle von Indianer Jones kennen. Die Archäologie ist keineswegs eine Wissenschaft in der es auf Planung, Präzision und Geduld ankommt. Vielmehr ist eine Forschungsreise stets ein lebensgefährliches Abenteuer. Denn nur die Harten kommen in den atlantischen Garten. Lara Croft macht da keine Ausnahme. In jeder Hand eine Desert Eagle und für die damalige Zeit vor dem Brustkorb zwei definitiv Waffenschein-pflichtige Hupen. Letzteres war wohl Hauptfaktor für den sprunghaften Erfolg der Serie. Auffällig war das Zielsystem, wenn man es mit heutigen Spielen vergleicht. Es gab quasi ein "Zieltaste" mit der man automatisch den am nahsten befindlichen Gegner im Sichtfenster ins Visier nimmt und dann nur noch abdrücken muss. Ähnliche Steuerungsmodelle gab es auch bei der GTA Serie. Vor etwa einem Jahr habe ich dann noch einmal Tomb Raider Legends eingelegt, welches eben all diese Markenzeichen inklusive der Steuerung noch hat. Das Fazit fiel vor allem wegen der Steuerung katastrophal aus. Nicht spielbar. Ein Relaunch klingt daher nach einer garnicht so schlechten Idee.

Tomb Raider 2 Cover
So sah das eben damals aus

Wir machen alles neu
Als die ersten Teaser mit Rendersequenzen veröffentlicht wurden, war ich von der Qualität der Sequenzen total geplättet. Nun ist es natürlich immer ein Unterschied zwischen Rendersequenzen und Ingame-Grafik, aber man konnte schon sehen, dass dort ordentlich Aufwand investiert wird. Neben der deutlich kleineren Körbchengröße war es auch die Idee, die Entstehungsgeschichte von Lara Croft in einem Survival Game zu erzählen, die die Tomb Raider Community zu neuen Shitstorm Auswüchsen animierte. Ich persönlich hatte keine Lust mehr auf das alte Gameplay und war deshalb in freudiger Erwartung auf alles was da kommen mag. Als die ersten Gameplay Videos herauskamen, überkam mich dann doch noch mal ein ungutes Gefühl. In den Videos benutzt Lara immer einen Bogen. Pfeil und Bogen sind ja auch mal ganz cool, aber ein ganzes Spiel mit Pfeil und Bogen stelle ich mir nicht besonders spaßig vor. Da drängt sich dann doch die Frage auf.

Kann man das überhaupt noch Tomb Raider nennen.
Ja. Zumindest wenn man es gespielt hat. Denn dann fällt auf, dass der Bogen zwar essentieller Bestandteil des Spiels ist, aber keineswegs Mittel der Wahl bei der Eliminierung der Feinde sein muss. Was wurde aus dem Survival-Spiel? Gute Frage. Der Anfang ist sehr Survival-lastig, aber man findet relativ schnell Bogen und dann eine Handfeuerwaffe, die das ganze eher in ein Survival Spiel für die Widersacher von Misses Croft machen. Also doch nur ein Standard-Third-Person Shooter? Auch hier ganz klar NEIN. Die Welt ist gespickt mit Kletter- und Physik-Rätseln, welche teilweise ziemlich anspruchsvoll sind. Schön hierbei ist, dass durch das Einbinden und Wasserströmungen, Wind, Feuer und Pendeln die Rätsel weitaus abwechlungsreicher sind als bei den Vorgängern. Allgemein gilt aber das Indiana Jones Paradigma: Stell bloß nicht in Frage wer und warum er das alles so errichtet hat. Die Antworten sind nämlich selten zufriedenstellend. Für das Lösen der Rätsel findet Lara im Laufe der Geschichte verschiedene Gadgets.


  • einen Feuerstein um jederzeit die Fackel entzünden zu können

  • einen Eispickel zum klettern

  • Feuerpfeile

  • Seilpfeile

  • eine Seilwinde zum hochfahren an einem Seil


Das schrittweise Aktivieren dieser Gadgets sowie immer wieder in alte Gebiete zurückzukommen und mit den neuen Gadgets neue Wege beschreiten zu können, erinnert von der Art und Qualität an die beiden Batman Arkham Spiele. Richtig erfrischend ist, dass die gefundenen Waffen ebenfalls Gadget Funktionen erfüllen und so neue Bereiche aufdecken können.

  • Schrottflinte zerstört Holzbarrikaden

  • Granatwerfer zerstört Metallbarrikaden

  • Bogen Stufe 3 kann Pfeile auch in kletterbare Wände versenken


Klettern ist wie bei den alten Spielen ein Kernbestandteil. Regelmäßig werden die Klettereinlagen durch gut inszenierte Quicktime Events ergänzt und erhöhen so den Schwierigkeitsfaktor. Denn das klettern an sich fällt Lara scheinbar genauso leicht wie Altair. (Assassins Creed) Ihr kann man dennoch zu gute halten, dass sie wenigstens noch Werkzeug zum klettern benutzt.

Es ist niemals zu windig zum Klettern.
Die neue Lara ist windschnittiger. Nicht immer unpraktisch.

Die Alte Lara war ziemlich gut bewaffnet. Wie steht es denn um die neue? Sagen wir ein Marine in voller Montur würde vor Neid im Boden versinken. Im Verlauf des Spiels acquiriert Lara:


  • Bogen

  • Pistole

  • Maschinenpistole/gewehr

  • Schrotflinte

  • Granatwerferaufsatz


Das ist allerdings angesichts der Upgrade Möglichkeiten der Waffen nur der Anfang. Während des Spiels findet Lara regelmäßig Waffenteile für die einzelnen Gattungen. Hat sie für z.B. die Pistole 3 von 3 Teilen gefunden tauscht sie die Pistole gegen ein besseres Modell aus. Das passiert pro Waffe etwa 3 mal. Beim Bogen sind es glaube ich 4 oder 5. So kommt auch der Sprung von Maschinenpistole auf Maschinengewehr zustande. Woher kommen diese Teile? Siehe Indiana Jones Paradigma.

Bei Sonnenaufgang wird zurück geschossen.

Neben diesen Waffen-Level-Ups gibt es allerdings noch Upgrades welche sich auch wunderschön im Design der Waffen niederschlagen. Für das Einlösen der Upgrades findet man überall auf der Map in Kisten sowie bei den besiegten Gegner und Tieren "Material". Dieses "Material" ist so eine Art Upgrade Währung. Die Upgrades können z.B.


  • Schaden erhöhen

  • Feuerrate erhöhen

  • größeres Magazin

  • zwei Magazine zusammengetapet zum schneller Nachladen (hier hat das Spiel mich endgültig gewonnen)

  • 3 Schussautomatik für Pistole

  • Schalldämpfer (Pistole/Gewehr)

  • Brandpatronen (Schrotflinte)

  • Zieloptik (Gewehr)

  • Feuerpfeile

  • Explosionspfeile

Friss Blei namenloser Samurai der scheinbar problemlos durch Feuer laufen kann.

Der Umfang der Upgrademöglichkeiten sowie die Tatsache wieviel dieser modifizierten Waffen man mitnehmen kann ist schon einzigartig. Ebenso wie die alte Lara hat wohl auch die neue einen dieser coolen Anti-Materie-Rucksäcke. Das Kampfsystem ist State-of-the-Art und macht echt Laune. Es gibt


  • automatische Erholung in Deckung

  • Trefferzonen

  • Finisher für angeschlagene, taumelnde Gegner

  • ein automatisches Dekungssystem (im Kampf duckt sich Lara hinter jedem Vorsprung)

  • zerstörbare Deckungen

  • KI nutzt Granaten/TNT/Feuerpfeile

  • Gegner anzünden

  • Gegner mit Seilpfeilen von Vorsprüngen ziehen

  • Stealthsystem (bei Gegner-Anwesenheit schleicht und duckt Lara sich automatisch)

  • Stealth Kills

  • Ausweichmoves und Konter für Nahkampfattacken

  • verschiedene Gegnertypen


Vorallem am Ende sind die Gefechte doch relativ knackig und stehen auch in der Intensität einem modernen Kriegsspiel in nichts nach. Man kann also auch hier festhalten, das Lara ihren Biss nicht verloren hat. Was meine ich mit Biss? Sie hat im 2. Teil immerhin einen T-Rex gekillt.

Neben den Waffen kann Lara sich auch selbst Upgraden. Stichwort Skilltree. Der ist relativ einfach bringt aber einige Interessante Vorteile beim Finden von Objekten oder im Kampf. Verskillen kann man sich dabei eher nicht, da die Skills eher kleine Goodies sind und nicht zwingend erforderlich. Die Nötig-Unnötig Diskussion will ich hier garnicht führen, ganz nett sind sie schon.

Zur Story kann man sagen, die ist ebenso wie in den alten Teilen hochgradig abstrus und hat was mit einem uralten Fluch einer längst untergegangenen Zivilisation zu tun. Schön gemacht ist auch, dass man bei einem Teil der gefundenen Reliquien im Ansehmodus durch Betrachten von allen Seiten noch mehr Details entdeckt. Schade ist dass diese häufig eher irrelevant für die Story sind. Auch viele der gefundenen Dokumente versuchen eher kleine Nebenstories zu erzählen, die scheinbar nur Lara nicht komplett egal sind. Während der Story fällt aber ihr vorhandenes Wissen um alte Kulturen und ihre Neugierde schon positiv auf. Auch wenn das im Kontext der lebensbedrohlichen Situation zwar komplett Banane ist, aber so sind die Action-Archäologen halt. Siehe Indiana Jones Paradigma.

Es gibt eine alte Videospiel Weisheit. Je realistischer die Darstellung desto langweiliger wird das Spiel. Das kann man natürlich auch für die Grafik sagen. Das innere eines Archäologen-Büros ist nicht gerade ein Augenschmaus. Daher dreht man einfach ein wenig am Realistik-Regler und schon steht man an einem Strand mit 2WK Bunker ala Battlefield1942-Omaha-Beach mit gestrandeten Schiffswracks aus allen Epochen. Oder wie wärs mit einem uralten Chinesischen Palast auf der Spitze eine Berges, natürlich mit Orkanböen, soll ja nach was aussehen. Und es sieht nach was aus. Wetter und Lichteffekte sind großartig, nur eben der Story-Schreiberling muss sich die Beine ausreißen um das in eine Geschichte zu bringen.

Ganz nette Aussicht.

Irgendwas muss doch auch uncool sein
Videospiel Stories sind ja generell nen bisschen bescheuert, aber diese hier ist schon ziemlich gaga. Ein Tomb Raider Fan hat aber bei sowas generell ein dicker Fell. Häufig werden Sequenzen mit Quicktime Events um die Story voran zu treiben. Das kann an einigen Stellen schon mal ziemlich frustrierend sein wenn man das Timing für die Buttons nicht hin bekommt. Wenn man sich nicht ein wenig Zeit lässt die Umgebung zu genießen und alles mögliche einzusammeln ist man sehr schnell durch. Das heißt in Zahlen: Ein Spieldurchlauf etwa 10-12 Stunden. Speedruns werden das sicher in 4 schaffen.

Fazit

Das neue Tomb Raider behält die Genre-typischen Rätsel und Klettereinlagen und kann trotzdem der Third-Person-Shooter Konkurenz zeigen wo der Frosch die Locken hat. Lara Croft hat kleinere Hupen, ist aber wesentlich heißer. Das liegt an der detailierten Körperdarstellung sowie den schönen Setpieces. Allein für ihr Waffenreinigungskit müsste die neue Lara Gepäckaufschlag zahlen und Nathan Drake wird seinen Homo-Schal beim nächsten Schatzjäger-Jahrestreffen wohl besonders hoch tragen um von ihr nicht erkannt und mit einem Eispickel-Finisher in die ewigen Jagdgründe geschickt zu werden.

Watch out, the ORIGINAL TOMBRAIDER is back.

Nathan Drake als direkter Konkurent im Schatjäger Geschäft.
Die Konurenz zieht sich schonmal warm an. Nathan Drake aus Uncharted 1/2/3