Es ist zweieinhalb Jahre her, da habe ich mit meinem Opa zusammen meine erste Auto Shopping Tour gemacht. In Brandenburg gibt es eine große Automeile, die ist definitiv größer als Brandenburg es nötig hat. Wie auch immer. Auf der Suche nach einem passablen Begleiter für das zukünftige berufliche Pendeln schlenderten wir einige Stunden durch die verschiedenen Autohäuser. Bei Ford hatte ich dann auch ein vielversprechendes wenn auch gleich weit über dem geplanten Budget angesiedeltes Modell gefunden. Es war ein Focus, 6 Jahre alt 115 PS. Dass es mehr als 100 PS sein sollten, hatte mir meine Schwester empfohlen, da ich vor hatte längere Strecken auf der Autobahn zu fahren. Ihr Ratschlag lautete im Wortlaut glaube ich: Nimm keinen unter 100 PS, das macht auf der Autobahn keinen Spaß. Wieviel weniger Spaß einer unter 100 PS auf der Autobahn macht, kann ich jetzt immer noch nicht sagen. Ich weiß aber wie viel Spaß meiner macht. Und ich wage kaum zu ermessen wie viel Spaß ein richtig krasser Wagen machen muss. Aber genug der Gedankenspiele.

In Bonn bin ich den Wagen täglich gefahren. Die Öffentlichen waren eben Mist. Außerdem habe ich ja regelmäßig die Überfahrt in die heimische Mark gepflegt. Damals habe ich den guten Flo regelmäßig verspottet, wie er sich den Luxus einen eigenen Fahrzeugs entgehen lassen kann. Jetzt wohne ich in Berlin. Den Wagen fahre ich nur noch zum Einkaufen aus oder für eine deutlich kürzere Heimfahrt nach Brandenburg. Regelmäßig brauche ich zum Parkplatz finden in Berlin länger als für die eigentliche Fahrt. Ende letzten Jahres habe ich den Wagen endlich auf mich anmelden können, da ich ihn abbezahlt hatte. Ich habe mir ein eigenen Kennzeichen auswählen können, aber auch das konnte mich nicht von dem einem Gedanken befreien, der mir seit ich in Berlin wohne verfolgt. Eigentlich brauchst du das Auto nicht mehr.

Je öfter ich das jetzt gehört beziehungsweise selbst ausgesprochen habe, je klarer wurde es. Ich habe diesen Wagen nur noch weil ich es kann. Als Statussymbol. Als Luxusspielzeug. Als Notfallplan. Allerdings bin ich niemand der das Auto einfach so Gassi fährt oder es irgendwem präsentiert, geschweige denn es regelmäßig sauber macht. Der Besitz dieses Wagens begründet sich höchstwahrscheinlich in meiner Sozialisierung. Ich bin in einer Autofahrer Familie aufgewachsen. Wir sind irgendwann als ich 10 war in ein eigenes Haus, gerade soweit rausgezogen, dass die Öffentlichen keine Alternative mehr waren. Dort hat jeder Erwachsene einen Wagen. Dort fällst du aus dem Raster wenn du keine verfügbaren PKW hast. Aber warum sollte ich mich diesen Konventionen noch länger unterwerfen? Zeit auszubrechen. Den nächsten Lebensabschnitt beginnen. Den Wagen verkaufen.

Denn wir haben uns auseinandergelebt.

Ich habe letztens in einem hervorragenden Podcast über Stadtplanung ein schönes Zitat zu diesem Thema gehört. Es ist von Enrique Peñalosa dem ehemaligen Bürgermeister von Bogota.

An advanced city is not a place where the poor move about in cars, rather it’s where even the rich use public transportation